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“Europäischer Binnenmarkt” – der Europapopulismus der FAZ via Hitler-Speed

Donnerstag, 04. April 2012, Seite Drei der FAZ – ein Artikel mit einer riesengroßen Überschrift, kurz und knackig “Europäischer Binnenmarkt“.

Mit großen Interesse stürze ich mich auf den Artikel, um ein Blick hinter die Kulissen geboten zu bekommen. Ein lebensnaher Bericht, journalistisch erschlossen, über den europäischen Binnenmarkt mit seinen konkreten Auswirkungen. Was am Ende bleibt ist die pure Enttäuschung.

Wenn man den Artikel nach den Schlagworten “EU” und “Europa” durchsucht, bekommt man genau 0 Treffer. Die Worte kommen kein einziges mal in dem Artikel vor – ausgenommen das “Europäischer” in der riesigen Überschrift.

Der Artikel selbst berichtet detailliert über die Droge Crystal. Dabei wird der deutsch-tschechische Grenzraum in Bayern genauer unter die Lupe genommen. Es gibt den Hinweis darauf, dass die Droge in beiden Ländern strafrechtlich unterschiedlich behandelt wird und das es relativ leicht ist, sie auf den “Vietnamesenmärkte” jenseits der Grenze zu bekommen. Es folgen detaillierte Berichte über Konsumenten und deren Schicksale, die Wirkung der Droge und ihre Heimtücke werden anschaulich beleuchtet.

Und was hat das alles mit dem europäischen Binnenmarkt zu tun? Der Autor verrät es nicht, gibt aber indirekte Hinweise: “Es sind nur wenige Minuten bis zur deutschen Grenze, einen Schlagbaum gibt es seit Ende 2007 nicht mehr.

Der Großteil des Artikels gehört den Konsumenten und klärt über das Drogenphänomen auf. Sollte es die Intention gewesen sein, zu behaupten, dass aufgrund des europäischen Binnenmarktes Deutschland nun ein Crystalproblem hat, dann ist der dumpfer Europapopulismus. Warum sollte der Artikel sonst mit “Europäischer Binnenmarkt” überschrieben sein. Das Heroin und das Kokain, das in Europa konsumiert und verkauft wird, ein Milliardengeschäft, kommt gar nicht aus Europa und erreicht es doch. Asien und Südamerika gehören bekanntlich nicht dem europäischen Binnenmarkt oder dem europäischen Wirtschaftsraum an, trotzdem beliefern sie Europa mit diesen Drogen, seit Jahrzehnten.

Offene Grenzen gleichzusetzen mit einer Schwemme schwerer Kriminalität, ohne dabei das Schengensystem zu erklären (mit negativen und positiven Fakten) und auf weitere Vorzüge der Freizügigkeit in Europa hinzuweisen, ist zu kurz gesprungen. Der Artikel ist interessant und gut, allein der Titel impliziert falsche Vorstellungen und verkehrt das gesamte Werk in seiner Wirkung.

Zum Schluss wird ein Gedanke aufgegriffen: “Trotz gemeinsamen Streifendiensts von deutschen und tschechischen Polizisten und eines seit 2007 existierenden „gemeinsamen Zentrums“ Schwandorf-Petrovice, enden derzeit die Kompetenzen an der jeweiligen Landesgrenze. Und die Gesetze auf beiden Seiten sind so verschieden, dass Erfolge wohl noch lange auf sich warten lassen werden.

Hier stellt sich dann die Frage, ob es nicht gut wäre, noch mehr europäischen Binnenmarkt, sprich noch mehr gesetzliche Angleichungen, vorzunehmen, als den Binnenmarkt an sich als Sündenbock zu deklarieren. Hier wird der Bock zum Gärtner gemacht.

Die Droge ist ein Problem, mit oder ohne europäischen Binnenmarkt.

 

 

Published inEuropean Union

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