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Der kleine Wladimir Putin möchte aus dem Kalten Krieg abgeholt werden

Die Nachrichtenlage ist nicht mehr so massiv durch den Ukrainekonflikt überlagert wie noch vor wenigen Wochen. IS, Referendum in Schottland, Ebola in Westafrika, es gibt mehr und anderes zu berichten. Nun bringt die Süddeutsche Zeitung heute zwei Meldungen, die nicht trefflicher sein könnten.

1. Genscher verlangt mehr Verständnis für Putin
und
2. Putin soll gedroht haben, in mehrere MOE-Staaten einmaschieren zu können.

Wann hören wir endlich auf, diese russische Gefahr zu unterschätzen? Putin spielt das Spiel des Kalten Krieges, während der Westen glaubt, internationale Politik nach Vernunft und Logik umsetzen zu können. Putin hat es nicht geschafft, sich aus dem alten geostrategischen Denken zu lösen – Genscher anscheinend auch nicht. Wenn wir im Westen nur mit dem Kopf schütteln und uns fragen, was Putin antreibt, dann können wir nicht mit der Vernunft des 21. Jahrhunderts antworten. Wir Europäer haben gelernt, Politik neu zu denken und umzusetzen. Friedliche internationale Kooperation, ein gegenseitiges Grundvertrauen und die Grundannahme, das zwischenstaatliche Konflikte am Konferenztisch gelöst werden und nicht auf dem Schlachtfeld , sind eine Selbstverständlichkeit geworden. Putin hat diesen Lernprozess nicht miterlebt und erfahren. Politik definiert er immer noch durch militärische Stärke, Interessensphären und Misstrauen gegenüber den Nachbarstaaten. Deshalb handelt Putin, wie er handelt. Die westliche Logik und Vernunft ist zur Lösung nicht geeignet.

Das sollte uns aber nicht verleiten, Putin nach den alten, zum Glück überwundenen, Regeln des Kalten Krieges zu behandeln. Nur weil Putin die antiquierten Spielregeln anwendet, sollten wie es nicht auch tun. Auch Putin muss lernen, dass wir in Europa einen Schritt nach vorne gemacht haben, es wird zu seinem Nutzen sein, nicht zu seinem Schaden. Nur begreifen muss er es erst noch. Die Sanktionen werden diesen Lernprozess nicht einleiten. Daher befinden wir uns in einer Zwickmühle. Wir können Putin nicht gewähren lassen, aber Bestrafung versteht Putin wie im alten Politik-Spiel nur als eine Aufforderung sich zu wehren und zu beweisen, dass er stärker und größer ist. Dennoch brauche  wir die Sanktionen, um Putin zu zeigen, dass wir nicht bereit sind, seine alten Regeln der internationalen Politikgestaltung zu akzeptieren.

Bleibt die Frage, wie man Putin vermittelt, dass EU und NATO keine Bedrohung für Russland sind? Die westeuropäischen Ländern haben über 60 Jahre Erfahrung in friedlicher europäischer Kooperation. Sie haben gelernt, Politik anders zu gestalten. Der kleine Wladimir Putin sitzt leider immer noch im Kalten Krieg fest und hat es nicht gemerkt – zu Lasten des gesamten Kontinents. wer holt ihn wie daraus, das ist die entscheidende Frage, nicht nur für die Ukraine, sondern für die gesamte zukünftige EU-Russlandpolitik. Gefährlich bleibt daran, dass wir nicht abwarten und auf Besserung aus Eigenerkenntnis warten können. Warum? – Das zeigt Putin seit mehreren Monaten eindrucksvoll!

Artikelbild von www.kremlin.ru CC BY 3.0

Published inEuropean UnionInternational Politics

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