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Politische Spiele oder nicht politische Spiele, das ist hier die Frage…

Es sind die olympischen Spiele. Es ist nicht die UNO-Weltmeisterschaft. Die Olympischen Spiele sind per se ein Sportereignis, zugegeben das Weltsportereignis par excellence, aber immer noch mit der Betonung auf „Sport“. Das sich dies nicht mit der Realität deckt, ist jedem bekannt. In allen olympischen Wettkampfarenen tummeln sich die verschiedensten Politiker/innen, um die eigenen Athleten symbolisch zu unterstützen. Zu den Eröffnungs- und Abschlussfeiern geben sich dann auch diverse Staats- und Regierungschef die Ehre. Die Spiele sind politisch, weil die Politiker/innen sie politisch machen. Und die olympische Bewegung beklagt sich nicht über diesen Umstand. Die Nähe zur Politik wird nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern sie wird gefördert und unterstützt. Somit entsteht eine Gemengelage aus sportlichen Urereignis und politischer Darstellung und Positionierung. Doch es bleibt nicht nur bei interessierten Politiker/innen, die die eigenen Athleten unterstützen oder sich einfach am Sport erfreuen möchten. Spätestens dann, wenn ein olympischer Austragungsort, sprich das Gastgeberland, demokratische Defizite aufweist, wird es problematisch, denn jetzt tritt die Politik in den Vordergrund und nicht der Sport.

Warum darf ein nicht-demokratisches Land olympische Spiele austragen? Warum sind nicht-demokratische Länder Mitglieder der UNO? Die Diskussion wird aus einer sehr westlichen Perspektive geführt. In der UNO wäre eine solche Diskussion noch verständlich, da es die weltweite Plattform im internationalen politischen Austausch ist bzw. sein soll. Hier die Frage nach vorhandenen demokratischen Grundlagen der staatlichen Struktur zu stellen, wäre legitim. Dennoch gilt zu beachten, dass die Weltfamilie genauso unterschiedlich ist wie wahrscheinlich jede normale menschliche Familie auf Erden auch. Dieses Weltforum besteht mit all den Unterschiedlichkeiten seiner Teile, unabhängig von deren Verhalten oder innerer Konstitution. Die Souveränität der Staaten ist nach wie vor ein hohes Gut. Sicherlich können sich westliche Staaten hier mit ihren Maßstäben zu Wort melden, aber gilt dies auch gleichermaßen für den Sport und die olympischen Spiele?

Wenn Gauck und jetzt auch EU-Kommissarin Reding ankündigen nicht nach Sotschi zu fahren, ist das ein Zeichen für die westliche Verurteilung von russischen Zuständen. Das dies auf olympischen „Grund und Boden“ geschieht, erhöht die Aufmerksamkeit. Die Frage bleibt, ob es die richtige Plattform ist. Ja, weil die olympischen Spielen eben doch politisch definiert werden. Solange sich diesen nicht grundlegend geändert hat, müssen Gastgeberländer politische Kritik aushalten, obwohl es eigentlich dem Geist dieser sportlichen Großveranstaltung widerspricht. So lange kann sich Russland nicht empören und meinen, dass ein Sportereignis für politische Zwecke missbraucht wird.

Für den olympischen Sport wäre eine dauerhafte Trennung sicher das Beste. Politik hat im Sport nichts zu suchen. Hier wird Völkerverständigung unpolitisch gelebt und praktiziert, mit der Möglichkeit, der Politik Vorbild und Anreizgeber zu sein. Solange es die Verquickung gibt, kann dies nicht geschehen. Es sollten daher unpolitische Spiele sein. Dementsprechend sollten sich Politiker und olympische Bewegung verhalten – das wäre besser für den Sport und für die Politik.

Published inDemocracy & Human RightsInternational Politics

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