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Wahlkampf und Soziale Medien #btw13

Gerade gestern hat die berühmte Sechs-Wochen-Periode vor der diesjährigen Bundestagswahl angefangen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass unsere Städte ab jetzt wieder durch zahlreiche Wahlplakate bereichert (?!) werden, denn ab jetzt dürfen die politischen Parteien via analogen Wahlplakaten für sich werben und auf Stimmenfang gehen. Diese deutlich sichtbaren Zeichen im alltäglichen Straßenbild geben nun erkennbaren Hinweis auf die anstehende Bundestagswahl am 22. September. Im Netz und vor allen Dingen in den Sozialen Medien gibt es diese Sechs-Wochen-Frist nicht, weshalb der Wahlkampf dort schon seit geraumer Zeit im Gange ist.

Die Bundeszentrale für politische Bildung greift dieses Thema auf und veranstaltet übermorgen (14. August 2013 ab 16.20 Uhr) einen Webtalk zu dem Thema „Wahlkampf und Soziale Medien“. Gesprächspartner ist Prof. Dr. Christoph Bieber, Inhaber der Welker-Stiftungsprofessur für Ethik in Politikmanagement und Gesellschaft an der NRW School of Governance.

Ich könnte abwarten, den Webtalk anschauen und dann meine Meinung äußern. In diesem Fall äußere ich mich vorab, ohne zu wissen, wie Prof. Bieber auf die Fragen antworten wird, welche Bewertungen er abgibt und was seine Schlussfolgerungen sind. Denn: Wir sind digital noch nicht soweit, wie manche es glauben oder glauben möchten.

Wer sich fleißig auf Facebook, Twitter & Co. bewegt, der wird wohlmöglich übereinstimmen, dass das Netz gewaltige Veränderungen auch in der Politik erzeugt hat. Politiker/innen sind, gleich ob Wahlkampf oder nicht, im Netz präsent, um Kontaktpflege mit den Bürger/inne zu betreiben bzw. die eigene Anhängerschaft up-to-date zu halten. Für diejenigen, die das Internet nutzen, ist das ein großer Abbau von Hürden, um direkt mit den politischen Repräsentanten/innen in Kontakt zu treten und informiert zu werden. Es geht schnell und direkt. Es ist allerdings erst einmal nichts anders als ein anderer Informationskanal, es geht nicht um den politischen Diskurs. Ein wirklich ernst gemeinter demokratischer Wettstreit findet (noch) in einer kleinen netzbasierten Community statt. Selbst die großen „Aufregerthemen“ im Netz sind quantitativ noch gering zu schätzen, wenn wir die Einwohnerzahl unseres Landes als Maßstab nehmen. Immer mehr Onlineinhalte schaffen den Weg in die klassischen Medien, aber auch hier stecken wir noch in den Kinderschuhen.

Ich glaube, dass dies mit jedem nun folgenden Wahlkampf immer mehr werden wird und das diese Entwicklung auch nicht aufzuhalten sein wird. Aber wir sind immer noch am Beginn eines Prozesses. Ganz viele Menschen, ich würde sagen noch die weitaus größte Mehrheit in dieser Republik, hat mit dem Onlinewahlkampf nichts zu tun. Die Frage, warum den immer noch langweilig und old-school-mäßig tausende von Plakate in der Republik geklebt und verteilt werden, ist legitim, aber (noch) nicht zeitgemäß. Viele Menschen würde es eher auffallen, wenn keine Plakate zu sehen sind. Gerade viele ältere Menschen und Parteianhänger fragen, warum seid ihr (die Partei XY) nicht zu sehen, wo sind denn unsere Plakate? Für einen Großteil der Wahlberechtigten findet der Wahlkampf auf der Straße und im Fernsehen statt, die Onlinewelt wird überhaupt nicht registriert. Das betrifft dabei nicht nur alles was 60+ ist, sondern durchaus auch eine große Masse an Menschen in der 30, 40 und 50ern. Wir sind noch nicht so digital, wie es die so genannte Netzgemeinde möchte. Die SPD setzt z. B. einen enormen Stellenwert auf die Mobilisierung der eigenen Wählerschaft durch persönliche Haustürbesuche, ganz analog.

Es wäre naiv zu glauben, dass das Netz den Wahlkampf nicht betrifft und nicht beeinflusst. Die Bundestagswahl 2013 wird aber sicher nicht durch Soziale Medien entschieden und meines Erachtens auch nicht maßgeblich beeinflusst. Da müssen noch ein paar Jahre ins Land ziehen bevor die Onlinewelt so verankert ist in einer größeren Breite der Gesellschaft, dass es tatsächlich spürbare Auswirkungen geben kann. Wir befinden uns hier immer noch in einer gesellschaftlichen Nische, auch wenn es sich online manchmal anders anfühlt.

Die deutschen Parteien schicken regelmäßig ihre Scouts zu den großen US-Wahlkämpfen, weil hier wie so oft die Zeit schon ein wenig weiter vorangeschritten ist. Doch auch die Amerikaner wissen, dass neben ganz viel Netz, auch ganz viel analog und persönliches wichtig ist. Die vielen tausend Wahlhelfer in den USA werden gerade für diesen face-to-face Kontakt eingesetzt, weil die Onlinereichweite eben (noch) nicht so ausgeprägt oder erfolgreich ist, wie man meinen könnte. Mal sehen, wie Prof. Bieber das Thema am Mittwoch im #bpbwahltalk bewerten wird.

Artikelbild von Mehr Demokratie e.V. CC BY-NC-ND 2.0

Published inGerman PoliticsInternet & Social Media

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