Zum Inhalt springen

Medienschelte Galore – Aufwachen Steinbrück!

Die Demokratie lebt vom politischen Wettstreit, gerne auch mal deftig, wohlmöglich nahe der Gürtellinie, mit Witz und Intelligenz und schließlich mit politischer Überzeugung. Was einzelne deutsche Medien derzeit mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück versuchen, ist dumpfer Quotenjournalismus, der sich nur über reißerische Negativ- und Moralberichterstattung nährt und definiert.

Die Debatte um das Kanzlergehalt ist derart konstruiert, dass einem beinahe schlecht wird. Jeder Betroffene würde wahrscheinlich auf Parties mit einem Drink in der Hand genau das sagen, was Steinbrück gesagt hat. Da geht das natürlich. Ein Kanzlerkandidat darf so etwas nicht. Er wird sofort als Geldgeil abgestempelt. In diesem Sinne schreibt auch Spreng, wenn er konstatiert:

“Ein SPD-Kanzlerkandidat muss über Mindestlohn und Hartz-IV-Aufstocker reden, über die Ausbeutung von Leih- und Zeitarbeitern, nicht aber über die unzureichende Bezahlung von Spitzen- und Gutverdienern.”

Debatte um Kanzlergehalt als Stellvertreterdebatte
Der objektive Vergleich stimmt. Ein Kanzler verdient, gemessen an der Verantwortung, die er (oder sie) trägt deutlich weniger als jegliche vergleichbare Vertreter aus der freien Wirtschaft. Wer dies bezweifelt ist unredlich. Natürlich kann nicht das Geld der Ansporn sein, um Kanzler zu werden. Auch das sollte klar sein. Lediglich den ersten faktischen Zusammenhang hat Steinbrück ausgesprochen, auf die konkrete Frage eines Journalisten. Er hat nicht die Erhöhung des Kanzlergehalt zu seiner obersten politischen Priorität erklärt. Er hat überhaupt nicht für eine Erhöhung plädiert, sondern einen schlichten Vergleich gezogen. Warum werden die exorbitanten Gehälter von Managern, Sportlern, Künstlern etc. nicht mit dieser Hingabe von der Presse diskutiert? Ach ja, hier greift das normale Gesetz des Kapitalismus von Angebot und Nachfrage, das ist naturgegeben und absolut in Ordung. Hier drückt sich schon die Scheinheiligkeit der Debatte aus. Der gezogene faktische Vergleich ist gar nicht wichtig, es geht darum, dass einem sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten medienwirksam im Hinblick auf seine vermeintliche Klientel ein dicker faux pas angedichtet werden kann. Schmierenkömodie.

… und Sozialdemokraten machen mit
Das andere Sozialdemokraten/innen aus der Perspektive der Medien reagieren und diesen Vergleich ebenfalls verdammen ist fast schon tragisch. Sie spielen das Spiel der Medien, weil sie es schon immer mitgespielt haben. Stattdessen sollte sie lieber die Dumpfheit der Argumentation entlarven und die Debatte offen und ehrlich führen und die Medien an den Pranger stellen. Aber das wird nicht getan, weil man die Gesetze der Demokratie (vor allen Dingen in einem Wahljahr) kennt. Die Medien sind in dieser Auseinandersetzung immer die Unschuldigen, die nicht verdächtigt werden unehrbare Motive zu verfolgen. Das sollte dringend hinterfragt werden. Medienschelte Galore!

Die nächste Sau…
… die durch das Dorf getrieben wurde, war, dass Steinbrück mal die Absicht hegte aus der Politik in den Bankensektor zu wechseln. Lange her, aber jetzt anscheinend wieder interessant und relevant. Natürlich, befeuert es doch die kreierte Debatte und facht das Feuer an. Spätestens hier hätte die gesamte SPD auf die Barrikaden gehen müssen. Es geht um eine Bundestagswahl und um die entscheidende Frage, wie unser Land regiert werden soll. In diesem Zusammenhang sind alle Anklagen der Medien gegen Steinbrück völlig irrelevant. Aber die inhaltliche Debatte scheint nicht zu interessieren, bringt ja auch nicht die notwendige und gewünschte Aufmerksamkeit. Trauerspiel für den deutschen (Qualitäts-)Journalismus.

Aufwachen Steinbrück!
Diesen Vorwurf muss sich Steinbrück gefallen lassen: Wo bleibt die politische Filetierung der Regierung Merkel? Armut in Deutschland, Armut in Europa, katastrophale Klientelpolitik, Hinhalteverhalten bei wichtigen politischen Fragestellungen und vieles, vieles mehr. Die Debatte braucht Schärfe und Deutlichkeit, um den Bürger/innen tagtäglich klar zu machen und vor Augen zu führen, warum ein Wechsel im September dringend notwendig ist. Von nichts kommt nichts. Auch wenn der Wahlkampf noch lang ist, Niedersachsen steht vor der Tür und man sollte tunlichst vermeiden Trends zu akzeptieren, die sich nicht mehr umkehren lassen.

Featured picture CC BY 2.0 dirk@vorderstrasse.de

Published inGerman PoliticsSocial Democracy

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Go on and comment...