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„Wirtschaft wendet sich von Steinbrück ab“ – Herzlichen Dank!

Eine Finanzkrise, die das gesamte Finanzsystem an den Rande des Abgrunds getragen hat (um nach den Eruptionen dort weiterzumachen), Manager, die Profit über kaufmännische Ehre und gesellschaftliche Verantwortung stellen und Wirtschaftsführer, die bei der Politik anrufen, um sich über staatsanwaltschaftliche Ermittlungen zu beschweren. Egal welches Politikfeld wir betrachten, wie oft haben wir Selbstverpflichtungen der Wirtschaft einer gesetzlichen Regelung vorgezogen, weil wir eben doch eine freie Marktwirtschaft wollen, wenn auch in sozialer Ausgestaltung. Wie oft sind wir dann aber auch wieder enttäuscht worden, weil die Vertreter/innen der Wirtschaft eben nicht an diese Selbstverpflichtungen gehalten haben?

Sicher müssen wir mit Verallgemeinerungen vorsichtig sein, dennoch folgt ein Skandal dem nächsten so sicher wie das Amen in der Kirche. Was soll oder muss die Schlussfolgerung sein? Müssen wir davon ausgehen, dass wir mit Korruption, Egoismus, Profitgier und Narzissmus leben müssen? Das soll gar nicht nach Wirtschaftsschelte vom moralisch unerreichbaren Feldherrenhügel klingen, sondern vielmehr die nüchterne Frage aufwerfen, ob wir nicht schlicht mit den menschlichen Unzulänglichkeiten leben müssen?

Unsere Demokratie weist viele Defizite auf, weil einige politische Protagonisten sich eben nicht wünschenswert verhalten. Gleiches gilt für die Wirtschaft. Es macht immer wieder auf’s Neue wütend, wenn sich einzelne Vertreter/innen so verhalten wie jüngst Wulff, Fitschen & Co. Doch was nutzt dieser Ärger? Wir bekommen das System nicht so konstruiert, dass wir die menschlichen Defizite auffangen oder gar abschalten können. Also damit leben?

Diese Klientel scheint sich nun von Steinbrück „loszusagen“ und auf die Karte Merkel zu setzen. Sei’s drum. Die SPD und Kanzlerkandidat Steinbrück sollten diese Aussage aufgreifen, sich für die öffentliche Trennung bedanken und gleichzeitig deutlich machen, dass es nun Feuer untern dem Hintern geben wird. Auch wenn eine lupenreine Konstruktion wie eben angedeutet nicht möglich sein wird, so besteht dennoch die Möglichkeit Politik und Wirtschaft so sozial und gerecht zu gestalten wie irgend möglich, ohne dabei dies aus der Perspektive der deutschen Wirtschaftselite zu definieren, sondern aus einer sozialdemokratisch-bürgernahen Perspektive. Wählertechnisch heißt das, auf die Massen zu setzen und die oberen Etagen zu ignorieren. Politischer Selbstmord? Vielleicht. Aber vielleicht ist es genau der Weg wie Sozialdemokraten wieder Kanzler stellen können. Ohne Rücksicht auf die vermeintlichen Führungseliten soziale Politik gestalten und dabei auch intensiven Streit in kauf nehmen. Ich würde mir das einmal wünschen, damit die Fitschens dieser Welt einmal merken, dass Demokratie und Rechtsstaat nicht ein notwendiges Übel für die Wirtschaft ist. Profit kann gerne produziert werden, dagegen spricht überhaupt nichts. Aber es gibt dabei auch eine gesellschaftliche Verantwortung und ein Rechtssystem an das es sich zu halten gilt. Wenn das ein paar Prozentpunkte Rendite kostet, dann muss das so sein. Den politischen Mut das zu vertreten, würde der deutschen Sozialdemokratie gut zu Gesicht stehen. In diesem Sinne machen Sie es gut, liebe Wirtschaftsvertreter/innen, wir gestalten die Republik dann ab September 2013 ohne Sie, wenn Sie sich nicht ändern. Herzlichen Dank!

Published inGerman PoliticsSocial Democracy

3 Kommentare

  1. Da wird es Steinbrück schwer haben, ist er doch selbst ein Mann der Banken. Man schaue sich einfach mal seine “Rettung” der Hypo-Real-Estate an, oder woher er ausser von den Stadtwerken noch so fünfstellige Beträge für Vorträge bekommen hat.

    Für so etwas hätte die SPD einen anderen Kandidaten gebraucht.

  2. DCWorld DCWorld

    Er will den Fokus von sich weglenken und gemeinsam sozialdemokratische Werte leben. Das kann der Mann sooft wiederholen, wie er will. Es wird ihm nicht gelingen. Der SPD-Mann hat mit der Wirtschaft angebandelt und ist in den Augen der Wähler “keiner von uns”. Warum sollten die Wähler diesen Kanzlerkandidaten wählen? Eben, sie werden es auch nicht. Frau Merkel hat nächstes Jahr leichtes Spiel.

    Quelle: http://www.start-trading.de/blog/2012/12/19/steinbrueck-wer-viel-redet-der-sagt-nicht-viel/

  3. […] so Genau diesen Ansatz wählt Peer Steinbrück nun. Vor kurzem haben wir schon erfahren, dass sich deutsche Wirtschaftsführer vom SPD-Kanzlerkandidaten distanzieren und Merkel präferieren. Die Beweggründe dürften auf der Hand liegen, denn Merkels Politik ist […]

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