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Die heuchlerische Republik!

Was kommt als nächstes? “Steinbrück hat ein Schimpfwort benutzt”. Wundern würde es ich nicht.
Eine heuchlerische Republik!

Seit geraumer Zeit beschäftigen sich vor allen Dingen die Medien mit den Honoraren, die SPD Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in den vergangenen Jahren bei Vorträgen eingenommen hat. Nun kommt tragischerweise auch noch hinzu, dass Steinbrück zu diesen Vorträgen in Teilen wohl auch mit seiner Gratisnetz-Karte der Deutschen Bahn gereist ist, die er als Abgeordneter des Deutschen Bundestages inne hat. SKANDAL!
Eine heuchlerische Republik!

Wer definiert überhaupt, was zur Arbeit eines Bundestagsabgeordneten gehört? Die Anwesenheit im Parlament kann es nicht sein. Der Deutsche Bundestag ist ein Arbeitsparlament und kein Debattenparlament, in dem das Wortgefecht an vorderster Stelle steht. Gearbeitet wird im Hintergrund, in den Ausschüssen, im Wahlkreis und wohlmöglich auch bei verschiedensten Interessenvertretungen – und das entgeltlich oder gratis, wie es eben vereinbart wird. Ich will die Lanze nicht komplett für Steinbrück brechen, denn auch ich glaube, dass die Vortragstätigkeit zumindest mit einem ausgleichenden Anteil an anderen Tätigkeiten – eben im Parlament oder im Wahlkreis – hätte gepaart sein müssen. Ich kennen die Fakten hierzu nicht und maße mir kein Urteil an. Sollte letzter Fall sogar gegeben sein, dann können auch (bezahlte) Vorträge durchaus eine sinnvolle und notwendige Tätigkeitsbeschreibung eines MdBs sein. Aber darum geht es ja gar nicht. Es geht um die Attacke auf den Kanzlerkandidaten der Sozialdemokratie. Was gibt es da besseres als derart konstruierte Skandale.
Eine heuchlerische Republik!

Und die Regierungskoalition? Zuerst Attacke und nun ist sie in Schweigen verfallen, weil das Messen mit unterschiedlichem Maß nicht mehr ertragbar ist. Der Blick in den allmorgendlichen Spiegel muss immer schwerer geworden sein. Denn die eigenen Reihen sind genauso betroffen.
Eine heuchlerische Republik! 

Und nun die Abgeordneten-Bahncard. Eine Nutzung, die keinerlei wirtschaftlichen Schaden anrichtet und Steinbrück steht doch auch nicht in dem Verdacht, durch die Nutzung nun der Deutschen Bahn besondere Vorzüge zukommen zu lassen. Aber für die Medien ist es der nächste Gang in dem Menü der Besserwisserei und Moralisierung. Oh mein Gott, er ist mit der ohnehin gratis konstruierten Karte wohlmöglich auch zu seinen ohnehin ketzerischen Vorträgen gefahren auf der er des Teufels Gift, das Honorar, direkt in Empfang genommen hat.
Eine heuchlerische Republik!

Wenn das all unsere Probleme sind: Bundestagsabgeordnete, die in verschiedensten Teilen der Gesellschaft bezahlte Vorträge halten (im Übrigen ohne jedes Verdachtsmoment der Anbiederung und Korruption) und dafür auch eine Fahrkarte des Deutschen Bundestages nutzen, die eine dauerhafte Gratisnutzung offeriert, dann geht es uns sehr gut und wir können getrost weiter heucheln und so tun als wenn das Abendland morgen unterginge.
Eine heuchlerische Republik! 

Published inGerman Politics

5 Kommentare

  1. Hallo,

    danke!
    Selten hat mir jemand so direkt, Wort für Wort aus der Seele gesprochen und meine Gedanken zu (virtuellem) Papier gebracht.
    Es ist erleichternd zu lesen, dass ich mit meiner Meinung zu diesem Thema wohl doch nicht allein dastehe.

    Beste Grüße,
    Tristan

  2. max mustermann max mustermann

    Ist wohl eher als Wahlkampf für Steinbrück zu verstehen, dieser Text. Heuchlerische Republik. Respekt für den Schreiber, vielleicht gibts ja noch ein Honorar von Steinbrück obendrauf.

  3. Heribert Heribert

    Für mich ist das die Diktatur der Medien.
    Merkel hat ihre Kettenhunde los gelassen, und dazu gehört die Bild (Springer).
    Hat jemand in der letzte Zeit, gehört das Augstein was gegen Merkel gesagt hat?
    Alles, stampft wie ein kleines Kind, mit den Füßen auf den Boden und schreit “ja, aber”.
    Alle, übersehen die Gefahr durch Merkel und unterstützt sie damit.

  4. Bernd L.Mueller Bernd L.Mueller

    Ja, liebe kielspratineurope,

    heuchlerische Republik,

    da solltet Ihr Euch vielleicht ein neues Volk wählen, ohne Lug und Trug, objektiv und immer hehren Gedankens.

    Augstein oder Nonnenmacher, Nikolaus Blome
    oder Kollegen von der SZ, bis auf Thomas Seim von der NW liebt keiner mehr den ” armen ” Kanzlerkandidaten.

    Platidüde, Journallie schlägt sich nie auf Seiten des Verlierers, sind das auch alle Heuchler, denken kongruent nur an Profit ?

    Ergebenheitskotau für Peer Steinbrück erinnert an geliebten Führer Nordkoreas und anderer Personen kritikresistenter Staaten, vielleicht aktuell an Putin, diesem lupenreinen Demokraten ?

    Im Ernst, Kandidat ist frühzeitig verbrannt, es fehlt ihm Charakter, Charisma,und er ist nicht jung, anziehend.

    Peer Steinbrück teilt kräftig aus, gleichwohl seine sonst so bissig effektive Rhetorik in dieser Lage diametral hilfreich und sympatisch ist.

    Egal was er jetzt an Richtigem macht, sagt, seine Glaubwürdigkeit – Politikers größtes Gut – ist nicht mehr gegeben, Demutshaltung nimmt ihm keiner, siehe oben, ab.

    Was wollt Ihr also machen, mein Vorschlag :

    Kürt endlich einen anderen Kandidaten , Frau oder Mann, noch ist es nicht zu spät.

    Macht Euch nicht länger lächerlich wie mit o.g. Glosse, dazu weinerlich beleidigt ” … mit morgendlichem Spiegel .. ” das ist Sprache der Verlierer, Selbstbewusst klingt anders,

    meint mit freundlichen Grüßen Euer Leser

    Bernd L. Müller

    PS In Berlin ( West ) geb. und sozialisiert.

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